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Hausschaf
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Das Hausschaf (Ovis gmelini aries; frĂźher Ovis aries L.), kurz auch Schaf, ist die domestizierte Form des Mufflons. Es spielt in der Geschichte der Menschheit eine bedeutende Rolle als Milch-, Lammfleisch- beziehungsweise Hammelfleisch-, Woll- und Schaffelllieferant.
Contents
⢠Verbreitung
⢠Heutige Nutzung
⢠Fortpflanzung
⢠Rßckenlage
⢠Schafrassen
⢠Etymologie
⢠Besonderes
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Bezeichnungen des Schafes
Das männliche Tier nennt man Bock oder Widder, das weibliche wird als Mutterschaf, Au, Aue oder Zibbe bezeichnet. Jungschafe werden nicht nur als Lamm, sondern auch als Jährling oder Zutreter bezeichnet. Schafe erreichen ein Alter von zehn bis zwĂślf, maximal 20 Jahren. Das Schaf wird auĂerdem nach Alter und Geschlecht unterschieden in:
⢠Lamm: nicht älter als ein Jahr.
⢠Milchlamm: mindestens acht Wochen alt, aber nicht älter als sechs Monate.
⢠Mastlamm: bis zu einem Jahr, weibliche Tiere zwischen 6 Monaten und Zuchtreife auch Jungschaf.
⢠Hammel (SchÜps): das männliche, kastrierte, ßber ein Jahr alte Tier.
⢠Schaf, weiblich: ßber ein Jahr alt. Mit Schaf ist meistens das Mutterschaf (Mutter) gemeint, das zur Zucht eingesetzt wird. Im nord- und mitteldeutschen Raum wird ein weibliches Zuchtschaf auch Zibbe genannt.
⢠Bock, männlich: nicht kastriert, älter als ein Jahr.
Ab sieben Tieren spricht man von einer Schafherde.
Geschichte des Schafes als Haustier
Nach frĂźherer Auffassung entwickelten sich die kurzschwänzigen Hausschafrassen Nordwesteuropas, wie etwa die Heidschnucke, und einige afrikanische Rassen aus dem Europäischen Mufflon, die langschwänzigen Rassen (zum Beispiel Merino-, Fettschwanz- und FettsteiĂschaf) dagegen aus dem Urial. Aufgrund neuerer Erkenntnisse hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass alle Hausschafrassen und -typen von nur einer Wildform, dem Armenischen Mufflon abstammen. Die Domestizierung des Schafes erfolgte schätzungsweise zwischen 8200 und 7500 v. Chr. und fand hĂśchstwahrscheinlich in Anatolien statt. Schafe gehĂśren (wie auch Hunde, Rinder und Ziegen) damit zu den ältesten Haustieren. Sie sind robust und genĂźgsam, das macht sie anpassungsfähig in Bezug auf klimatische Bedingungen und Nahrungsangebot, was sicherlich zur weltweiten Verbreitung dieser Nutztiere beigetragen hat. Die ursprĂźngliche ZĂźchtung bezog sich weitgehend auf die Lieferung von Fleisch als Nahrungsressource. MĂśglicherweise ab 6500 v. Chr. wurden Schafe auch zunehmend wegen ihrer Wolle gehalten. Erkennbar ist dies archäologisch an der Ănderung der Altersstruktur hin zu älteren Individuen und der Zusammensetzung des Skelettmaterials in diversen Fundstellen. In der Folge nahm zudem die KĂśrpergrĂśĂe sukzessive zu. Im Zuge der Ausbreitung des Neolithikums erreichte das Hausschaf um 4500 bis 4000 v. Chr. auch den Nord- und Ostseeraum. Genetischen Untersuchungen zufolge geschah die Einwanderung in Mitteleuropa auf zwei Wegen: einerseits Ăźber eine westliche Route via Italien und Frankreich, anderseits Ăźber eine Ăśstliche Route via den Balkan und Ăsterreich. Dabei lieĂ sich eine teils vertretene Meinung Ăźber zwei Einwanderungswellen unterschiedlicher Hausschaftypen, die Tiere mit normalem Haarkleid und solche mit wolligem Fell betreffen, nicht bestätigen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass wollige Schafe mehrfach unabhängig gezĂźchtet wurden.cite-ref-bick-1-0[1]cite-ref-2[2]
Ein sehr grĂźndlich beschriebenes frĂźhes Nutzschaf ist das sogenannte âTorfschafâ der Schweizer Pfahlbausiedlungen, das in Verbindung zu verschiedenen neuzeitlichen Primitivrassen des alpenländischen Raumes steht, wie dem Waldschaf.
Sehr frĂźh in der Geschichte der Schafzucht tauchen auch bereits Tiere vom Typ des Zackelschafes auf, die wegen ihrer gerade abstehenden und in sich gedrehten HĂśrner auffallen. Schon in bronzezeitlichen Beständen finden sich auch Vierhornschafe, deren herausragendes Merkmal die Bildung irregulärer zusätzlicher HĂśrner ist. Regionale Schafrassen bildeten sich sehr frĂźh heraus. Die Mehrzahl der heute in den westlichen Ländern gehaltenen Schafrassen sind Zuchten, die ab dem 18. Jahrhundert entstanden. Einer der bedeutendsten ZĂźchter war Robert Bakewell (1725â1795), der als Erster eine selektive Zuchtwahl betrieb und lokale britische Rassen wie das Lincolnschaf und Leicesterschaf in ihrer Fleischleistung verbesserte. Wegen seiner Zuchterfolge nannten ihn seine britischen Zeitgenossen den âGroĂen Verbessererâ.cite-ref-3[3] Die von Bakewell verbesserten Schafrassen wurden in späteren Jahrzehnten in andere Länder ausgefĂźhrt, darunter auch Australien und Nordamerika. Sie haben zur Herausbildung zahlreicher moderner Schafrassen gefĂźhrt. Dem schwerpunktmäĂig in Mittel- und Osteuropa gehaltenen Texelschaf wurden Mitte des 19. Jahrhunderts beispielsweise insbesondere Leicester- und Lincolnschafe eingekreuzt. Ebenso wurden in das franzĂśsische Bleu du Maine Leicesterschafe eingekreuzt.cite-ref-sambraus-4-0[4] Philip Walling geht in seiner 'Geschichte der britischen Schafzucht' davon aus, dass es heute in der gesamten westlichen Welt keine Schafrasse gibt, die nicht auch Erbgut des von Bakewell verbesserten Leicesterschafes aufweist.cite-ref-5[5]
Die Schafzucht stellte in vielen Kulturen, besonders im Mittelmeerbereich, eine häufige Form der Landwirtschaft dar.
Das Schaf hatte eine fundamentale Bedeutung in den alten Wirtschaftssystemen und diente lebend als Lieferant fßr Wolle und Milch, mit Milchprodukten wie Joghurt, Kefir und Schafkäse, sowie das geschlachtete Tier als Fleisch- und Fell-Lieferant. Schafe liefern beispielsweise auch das Rohmaterial fßr Leime, Kerzen und Seife (Talg) und kosmetische Produkte, der Darm wird bei der Wurstherstellung und zum Bespannen von Tennisschlägern verwendet, der Schafskot liefert hochwertigen Dßnger.
Verbreitung
In Europa lebten in GroĂbritannien mit zirka 33 Mio. Tieren im Jahre 2018 die meisten Schafe. Im Vergleich spielte Deutschland mit 1,6 Millionen Tieren 2018 eine geringere Rolle.cite-ref-6[6] Die Schafbestände in der EU sinken in den letzten Jahren stetig, was auf die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik und die Entkopplung der Prämien von der Produktion zurĂźckgefĂźhrt wird.
Betrachtet man die beiden wichtigsten Produktionsrichtungen, Fleisch und Wolle, fällt auf, dass Asien vor allem Wolle erzeugt und Europa Fleisch. Neuseeland nimmt hinsichtlich der Produktivität sowohl beim Fleisch als auch bei der Wolle eine Spitzenstellung ein. Afrika hat eine geringe Produktivität; dort werden aber vermehrt Rassen gehalten, die fßr die Haar- bzw. Pelzproduktion gezßchtet wurden.
In Deutschland Ăźberwiegt die standortgebundene Schafhaltung. 1994 wurden Ăźber 34 Prozent des Bestandes auf Koppeln gehalten. Die Herden, die das Bild in der Ăffentlichkeit prägen, die Wanderherden und die Deichschäferei hatten 1994 einen Anteil von 15,7 bzw. 4 Prozent.
Heutige Nutzung
In Europa werden Ăźberwiegend intensiv genutzte Rassen gehalten, die der Fleischerzeugung dienen. Die Lämmermast ist damit der wichtigste Zweig der Schafhaltung. Das war nicht immer so: Schafe wurden in Deutschland bis Anfang der 1950er Jahre vor allem auf den Wollertrag gezĂźchtet. Durch die Verdrängung der Schafwolle durch Baumwolle und chemische Fasern ist seitdem ein starkes Umschwenken der Zuchtrichtung festzustellen. Galt bis dahin, dass die Wolle etwa 90 Prozent und die Lämmer etwa zehn Prozent des wirtschaftlichen Ertrags liefern, hat sich das Verhältnis inzwischen umgekehrt. Erhielt man 1950 fĂźr ein Kilogramm Wolle noch 4,50 DM (2,30 âŹ), so liegt der Preis heutzutage â unter Schwankungen â bei 0,50 bis 0,75 ⏠pro Kilogramm.
Neben der Zßchtung auf Wolle gibt es noch die Zßchtung auf Milchleistung wie zum Beispiel beim Ostfriesischen Milchschaf oder auf das Fell (Lämmer des Karakulschafes) und Fleisch.
In Deutschland werden die extensiven Schafrassen zur Landschaftspflege eingesetzt. Sie erhält GrĂźnflächen oder Landschaftsformen wie die Heide in ihrer Form und Funktion. Ohne die Schafe wĂźrden diese Landschaften versteppen bzw. verwalden. Eine besondere Funktion besitzen Schafe beim Schutz von Deichen. Nicht nur verhindern sie eine Versteppung, durch ihren Tritt festigen sie den Untergrund und leisten einen direkten Beitrag gegen einen mĂśglichen Deichbruch. FĂźr diese Ăkosystemleistungen werden Schäfer oft Ăźber FĂśrdermittel des Naturschutzes vergĂźtet, der ErlĂśs der Schafprodukte tritt dann in den Hintergrund.
Der Darm von Schafen wird unter der irrefßhrenden Bezeichnung Katzendarm fßr Saiten von Musikinstrumenten und Tennisschlägern verwendet sowie zur Herstellung von Saitlingen. In der Medizin wurde er als Garn zum Vernähen von Wunden benutzt.
Selbst auf Flughäfen werden vereinzelt Schafe als ânatĂźrliche Rasenmäherâ eingesetzt. So ist es auf dem Flughafen in Hamburg der Fall.cite-ref-7[7] Zudem werden sie zur Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus verwendet.cite-ref-8[8]
Schafe in Kunst und Kultur
Eine vielfältige symbolhafte Tradition macht Schafe zum Gegenstand in Kunst und Kultur.
Aus der antiken Literatur ist die Schäferdichtung ßberliefert, die im Barock eine Rezeption erfuhr. Bildliche Darstellungen finden sich vielfach in Skulpturen wie dem Schafbrunnen.
Die Kirche benutzt die Metapher Hirt und Herde fĂźr Pastor und Gemeinde. In der christlichen Kunst ist das Lamm Gottes, Agnus Dei, ein altes Symbol fĂźr Christus. In der Heraldik ist es zusammen mit der Kirchenfahne im Wappen vieler europäischer Gemeinden abgebildet. Im Deutschen gibt es den Begriff âlammfrommâ.
Im Volksmund gilt das Schaf häufig als Inbegriff der Feigheit oder Dummheit. Sogar Gelehrte folgten häufig dieser Einschätzung. So urteilte der berĂźhmte Zoologe Alfred Brehm, Autor des zoologischen Standardwerks Brehms Tierleben, Ăźber das Schaf: âEs begreift und lernt nichts [âŚ] Seine Furchtsamkeit ist lächerlich, seine Feigheit erbärmlich. Jedes unbekannte Geräusch macht die Herde stutzig, Blitz und Donner und Sturm und Unwetter Ăźberhaupt bringen sie gänzlich aus der Fassung.â
Redensartlich taucht das Schaf etwa in âseine Schäfchen ins Trockene bringenâ, in âdas schwarze Schaf der Familie seinâ oder âder Wolf im Schafspelzâ auf.
Die meteorologische Singularität Schafskälte ist nach einem Haltungsaspekt bei diesem Tier benannt.
In der 1978 entstandene Cartoon-Serie Die Hammlets figurieren Schafe als Handlungsträger.
1995 schufen die Aardman Studios im Wallace & Gromit Kurzfilm Unter Schafen den Charakter eines auĂergewĂśhnlich gewitzten Schafes namens Shaun (homophon zum englischen Adjektiv fĂźr geschoren/âpelzloses Schafâ). Hieraus entstand ab 2007 die Serie Shaun das Schaf.
Homer erzählt in der Odyssee, dass Odysseus mit seinen Gefährten aus der HÜhle des Riesen Polyphem floh, indem sie sich an die Bäuche von Widdern banden, als Polyphem seine Schafherde hinaus auf die Weide trieb.
Das Vorderseitenbild des Bockstalers ist schon im Motiv auf mittelalterlichen Brakteaten Schaffhausens zu sehen.cite-ref-9[9] Das ist ein Beispiel fĂźr die groĂe Bedeutung der Schafe fĂźr die Menschen aus vergangenen Zeiten.
Schafe in Wissenschaft und Forschung
Forscher des Babraham Institute in Cambridge fanden in einer Studie aus dem Jahre 2004cite-ref-10[10] heraus, dass sich das Schaf Ăźber 50 Gesichter von Artgenossen Ăźber zwei Jahre lang merken kann. Die Studie fĂźhrte ferner zu dem Ergebnis, dass das Aufhängen von Schafsporträts im Stall zu einer deutlichen Senkung des Adrenalinspiegels und der Pulsfrequenz beim Schaf fĂźhrt. Die Forscher fĂźhrten dies darauf zurĂźck, dass das Schaf âbemerktâ, also es so wahrnimmt, dass es ânicht alleinâ sei. Das Aufhängen von Bildern mit abstrakten geometrischen Formen (wie beispielsweise Quadraten oder Dreiecken) fĂźhrte zum Gegenteil, also zum Anstieg der Herzfrequenz auf 113 EKG-Ausschläge, Angst-BlĂśken, bis hin zu Toben und Panik-FlĂźchten der Herde.
Im April 2006 findet sich in der britischen Zeitschrift New Scientist (Nr. 2549, S. 19) ein Artikel darĂźber, dass bereits Lämmer unterscheiden lernen, welche pflanzlichen Futterbestandteile ihnen guttun. Im Experiment hatten Zoologen um Juan Villalba von der Utah State Universität zunächst Substanzen ins Futter gemischt, die bei den Tieren leichtes Unwohlsein erzeugten. AnschlieĂend verschafften sie den Jungtieren Abhilfe, indem sie ihnen das nĂśtige Medikament verabreichten. Wenig später erhielten die Schafe dann im Futter erneut die auslĂśsenden Substanzen in geringer, aber riechbarer Konzentration untergemischt und alle drei zuvor verwendeten Arzneimittel zur diesmal eigenen Auswahl angeboten. Die Vorliebe fĂźr das âpassendeâ Medikament war jeweils signifikant ausgeprägt. Und bei Wiederholungen lieĂ sich das Erlernte auch noch mindestens fĂźnf Monate lang als im Langzeitgedächtnis verankert und verhaltensbestimmend nachweisen.
âWenn mit dumm die Unfähigkeit gemeint ist, aus Erfahrungen zu lernen, dann sind Schafe in keiner Weise dumm.â
â
Juan Villalba, Zoologe an der Utah State University
Schafe sind auch durchaus in der Lage, auf verändernde UmwelteinflĂźsse âzweckmäĂigâ zu reagieren. Zum Beispiel bei intensiver Sonneneinstrahlung: Sie stellen sich, wenn sonst keine MĂśglichkeit zum Unterstellen vorhanden ist, in einem engen Kreis auf. Hierbei befinden sich die KĂśpfe der Schafe im Innern des Kreises; die Schafe senken ihre KĂśpfe dann zwischen ihre Vorderbeine, um sie der intensiven Sonneneinstrahlung zu entziehen. Dabei reduzieren sie ihre Atmung, weil zugleich ihre Aktivität herabgesetzt wird.
Vor Entwicklung humaner Antiseren galt fĂźr die ausschlieĂlich verfĂźgbaren tierischen Seren die Reihenfolge Pferd, Rind, Hammel. Dadurch sollte eine Sensibilisierung durch artfremdes EiweiĂ umgangen werden.cite-ref-books-zjtz9sjbiqic-544-13-0[13] Diese Empfehlung galt bis zum letzten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Fortpflanzung
Der Brunstzyklus des weiblichen Tieres kann asaisonal oder saisonal sein. Die Saison (Brunstzeit) der Schafe liegt im Herbst. Schafe asaisonaler Rassen sind das ganze Jahr ßber im Rahmen der Zyklen empfängnisbereit. Sie durchlaufen einen Zyklus von 17 Tagen und sind dabei während zwei Tagen empfangsfähig. Die Tragezeit der Schafe beträgt ca. 5 Monate (durchschnittlich 150 Tage). Zwischen den einzelnen Rassen variiert die Tragezeit leicht. Schafe gebären ein bis zwei Lämmer, selten Drillinge pro Trächtigkeit.
In der DDR wurden Schafe ab 1971 kĂźnstlich besamt.cite-ref-15[15]
Krankheiten des Schafes
Die häufigsten Todesursachen des Hausschafes in Deutschland sind Lungenentzßndung, Clostridiosen und Verwurmung.cite-ref-16[16] Viele Medikamente gegen Wurmbefall (Entwurmung) sind nur noch eingeschränkt wirksam, mitunter weil die weit verbreitete Behandlung auf Verdacht (ohne Diagnose) zu Resistenzen fßhrte.cite-ref-17[17]
WĂźrmer:
⢠Rundwßrmer: Magen-Darm-Wßrmer und Lungenwßrmer
⢠Saugwßrmer: Leberegel
Durch Bakterien verursacht:
⢠Neurobrucellose
⢠Moderhinke
⢠Q-Fieber
Viruserkrankungen:
⢠Maedi-Visna
⢠Jaagsiekte
Andere Erreger:
⢠Traberkrankheit (Scrapie)
⢠Coenurose
RĂźckenlage
Zu ernsthaften Problemen kann ein längeres Liegen auf dem RĂźcken fĂźhren â bis hin zum Tod des Tieres. Die Pansenmotorik funktioniert nicht mehr richtig und das Schaf kann ersticken. Zudem drĂźcken die Organe auf die Lunge. Hinzu kommt, dass das Schaf in dieser Position nicht fressen kann.
Hintergrund ist, dass Schafe sich gerne auf dem Boden wälzen, um sich zu jucken. Geraten sie in Rßckenlage, kann es passieren, dass sie nicht mehr fähig sind, sich wiederaufzurichten. Vor allem Fleischschafe sind betroffen.
Je nach Fall kann es genĂźgen, sich neben das Tier zu stellen, damit es sich abrollen kann oder das Schaf ,hochzuschubsenâ, damit es sich auf die Seite drehen kann, eventuell auch in mehreren Versuchen.
Auch Spaziergänger sollten auf entsprechende Notfälle achten und Hilfe leisten. Das Betreten der Weide ist dann ausnahmsweise erlaubt.cite-ref-18[18]
Weitere Besonderheiten
Schafe weisen unter den Nutztieren einige Besonderheiten auf. Wie auch Ziegen gelten Schafe als anfällig gegenĂźber akuten und letalen Krankheitsverläufen. Im Gegensatz zu allen anderen Nutztierarten haben Schafe zudem eine auĂergewĂśhnliche Kupferintoleranz. Wird zu viel Kupfer aufgenommen, reichert sich dieses zunächst ohne Symptomatik in der Leber an und wird dann nach Stresssituationen (Hunde, Geburt, Transport, Schur u. a.) potenziell in den Organismus freigesetzt. Die dann ablaufende akute Vergiftung verläuft in der Regel tĂśdlich. Eine zu hohe Kupferaufnahme muss deshalb prophylaktisch verhindert werden. In Deutschland gilt fĂźr Alleinfutter ein Grenzwert von 15 ppm (Bezug auf Trockenmasse), fĂźr einige Rassen sind Werte Ăźber 10 ppm problematisch, weshalb fĂźr Werte zwischen 10 und 15 ppm beim Futterverkauf ein entsprechender Hinweis zu geben ist. Kupfervergiftungen sind sowohl in der Hobby- als auch der erwerbsorientierten Schafhaltung nicht selten und treten ein, wenn Futtermittel (auf der Weide oder bei ZufĂźtterung) zu hohe Werte aufweisen oder nicht sachgemäà gehandelt wird. Das kann bei der Aufnahme von kupfersulfathaltigen Klauendesinfektionsbädern der Fall sein (kein zugelassenes Biozid) oder wenn Schafe aus Kupferrohren Wasser trinken. Das kann auch der Fall sein, wenn Mineralfutter, das fĂźr andere Nutztiere (die wesentlich toleranter sind) produziert bzw. vorgesehen war, an Schafe verfĂźttert wird. Auch Flächen mit hoher Kupferbelastung, die regelmäĂig beweidet werden oder deren Heu verfĂźttert wird, stellen ein Risiko dar. Solche Flächen finden sich teils unter Sonderkulturen oder auch auf mit SchweinegĂźlle gedĂźngtem GrĂźn- und Ackerland. Die Gehalte der Vegetation bzw. der Futtermittel kĂśnnen leicht und kostengĂźnstig in Laboren bestimmt und auf Einhaltung der Grenzwerte getestet werden. FĂźr manche Haltungsformen sind diese Tests eine gute MĂśglichkeit, um eine Gefahr fĂźr die Tiergesundheit weitestgehend auszuschlieĂen. Ein Nachweis einer chronischen Vergiftung am lebenden Tier ist hingegen nicht mĂśglich. Nur Leberproben aus verendeten oder geschlachteten Tieren ermĂśglichen valide RĂźckschlĂźsse auf eine zu hohe Kupferbelastung.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]
Schafrassen
Siehe auch
:
Liste der Schafrassen
Die Schafrassen kĂśnnen nach dem Wolltyp (Vlies), dem Verwendungszweck (Nutzungsrichtung) und dem Grad der zĂźchterischen Bearbeitung eingeteilt werden. Man unterscheidet beim Wolltyp zwischen
⢠Merino-,
⢠Langwoll-,
⢠Kurzwoll-,
⢠Grobwoll- und
⢠Haarschafen.
Die Einteilung nach Verwendungszweck ist:
⢠Wollschafe
⢠Fein-, Misch- und Grobwollschafe
⢠Woll-Fleischschafe (sogenannte Zweinutzungsrasse)
⢠Milchschafe: Ostfriesisches Milchschaf
Bei der zĂźchterischen Bearbeitung wird gegliedert nach (beispielhafte Rassen angefĂźhrt):
⢠Landschafrassen:
⢠Mischwollige deutsche Land- und Heideschafe: Heidschnucke, Bentheimer Landschaf, Rauhwolliges Pommersches Landschaf
⢠Schlichtwollige deutsche Landschafe: Bergschaf, RhÜnschaf, Ostfriesisches Milchschaf, Schwarzwaldschaf
⢠Schlichtwollige Landschafe im ßbrigen Europa
⢠Steppenschafe (mischwollige): Fettschwanzschaf, FettsteiĂschaf
⢠Merinoschafrassen:
⢠Merinofeinwollschaf
⢠Deutsches Merinoschaf
⢠Fleischschafrassen:
⢠Englische Fleischschafe: Lincolnschaf, Leicester-Schaf, Suffolk-Schaf und Dorset
⢠FranzÜsische Fleischschafe: Berrichon du Cher, Ile de France (Schaf)
⢠Holländische Fleischschafe: Texelaar
In Deutschland ist das Merinolandschaf mit ca. 30 Prozent am verbreitetsten. Das SchwarzkĂśpfige Fleischschaf und das Merinolangwollschaf sind ebenfalls stark verbreitet, wie auch Kreuzungen (siehe auch Tierzucht) zwischen den Rassen.
Zahlreiche frßher in Europa weit verbreitete traditionelle Schafrassen sind inzwischen vom Aussterben bedroht, da sie als Nutztiere vergleichsweise geringe Erträge erzielen. Vereinzelt gibt es Wiederaufzuchtprogramme, z. B. fßr das Steinschaf oder das Zackelschaf.
Etymologie
Dem Wort âSchafâ (mittelhochdeutsch schÄf) liegt althochdeutsch scÄf aus westgermanisch skÄpa zugrunde, dessen Herkunft umstritten ist. DarĂźber hinaus sah unter anderem Johann Knobloch den Ursprung des Wortes im Indogermanischen, näher im Wort schaben im Sinne von âdas Geschoreneâ, was sich wiederum vom indogermanischen skÄb(h) (Bedeutung: âmit scharfem Werkzeug schneidenâ) ableitet.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22] Damit ergäbe sich in Bezug auf die Schafschur eine Verwandtschaft mit âscherenâ (von mittelhochdeutsch schĂŤrn) bzw. âschabenâ (von einer indogermanischen Wurzel skab).cite-ref-23[23]cite-ref-24[24]
Besonderes
Das bislang angeblich älteste bekannt gewordene Schaf der Welt war Lucky. Es starb im November 2009 im Alter von 23 Jahren, sechs Monaten und 28 Tagen.cite-ref-welt-5310229-25-0[25]
Das erste geklonte Säugetier war das Schaf Dolly. Es wurde nur sieben Jahre alt.
Historisch wurde gebĂźndeltes Laubbaumreisig, das unter anderem zur FĂźtterung von Hausschafen Verwendung fand, als Schaflaub bezeichnet.
Eine Extremmenge von 42 kg Wolle wurde im September 2015 in Australien von einem Schaf notgeschoren, das wohl jahrelang nicht geschoren worden war.cite-ref-26[26]
Da ein Schafbock (auch als Schafsbock bezeichnet), der männliche Vertreter der Gattung Ovis (Widder, Stährcite-ref-27[27]), an einem Tag etwa fßnfzig Begattungen vornehmen kann, galt er (wie auch der Ziegenbock) in vielen indogermanischen Kulturen als Sinnbild der Fruchtbarkeit und VerkÜrperung einer Fruchtbarkeitsgottheit. Diese Vorstellung lebt noch heute im skandinavischen Julbock weiter. Die BÜcke sind wehrhafte und kräftige Tiere. Die Redensart Mit dem Kopf durch die Wand weist darauf hin. Die gewundenen HÜrner kÜnnen Menschen schwer verletzen. Wenn ein fremder Bock in die Herde eindringt, endet der Zweikampf manchmal tÜdlich.
Der ßberlieferte HÜchstpreis fßr einen einzelnen Widder beläuft sich auf rund 410.000 Euro; dieser Handel eines Texelschafs geschah im Jahr 2020.cite-ref-28[28]
Literatur
⢠David Kennard: A shepherdâs watch â through the seasons with one man and his dogs. Headline, London 2004, ISBN 0-7553-1235-X (ein Jahr im Leben eines modernen englischen SchafzĂźchters).
⢠Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3219-2 (250 Rassen in Wort und Bild).
⢠Gerhard Fischer, Hugo Rieder, Regina Kuhn, Fridhelm Volk: Schafe â das Fotobuch fĂźr die Praxis. Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4229-5 (kommentierte Fotos aus allen Bereichen der Schafhaltung und Verarbeitung von Schafprodukten).
⢠Gßnther Dierichs: Schäfereikalender. Ulmer, Stuttgart, ISBN 3-8001-4656-8 (jährlich aktualisierter Kalender mit Fachbeiträgen zu jeweils einem Schwerpunktthema sowie Zahlen und Fakten).
⢠Christina Peter, Georg Erhardt: Ein Schaf gleicht dem anderen!? Die genetische Vielfalt der Schafe Europas im Fokus der Molekulargenetiker. In: Spiegel der Forschung 23 (2006), Heft 1/2, S. 76â82 (Volltext)
⢠Philip Walling: Counting Sheep â A Celebration of the Pastoral Heritage of Britain. Profile Books, London 2014, ISBN 978-1-84765-803-6.
Weblinks
Commons
: Hausschaf
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Schaf
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikinews: Hausschaf
â in den Nachrichten
⢠Literatur von und ßber Hausschaf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Beschreibung vom Aussterben bedrohter Schafrassen
⢠Schafrassen. Eintrag im Register der Traditionellen Lebensmittel des Üsterreichischen Bundesministeriums fßr Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft.
Einzelnachweise
cite-note-bick-11. â Almut Bick: Die Steinzeit. Theiss WissenKompakt, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1996-6.
cite-note-22. â Elena A. Nikulina, Ulrich SchmĂślcke: The first genetic evidence for the origin of central European sheep (Ovis ammonf. aries) populations from two different routes of Neolithisation and contributions to the history of woolly sheep. In: Wolfram Schier und Susan Pollock (Hrsg.): The Competition of Fibres: Early Textile Production in Western Asia, South-east and Central Europe (10,000-500 BC). Ancient Textiles 36, Oxbow Books, 2020.
cite-note-33. â Philip Walling: Counting Sheep. S. 43.
cite-note-sambraus-44. â Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen: 250 Rassen in Wort und Bild, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3219-2, S. 112 und 133.
cite-note-55. â Philip Walling: Counting Sheep. S. 46.
cite-note-66. â Statistik der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, fao.org, abgerufen am 17. Mai 2020
cite-note-77. â Flughafen Hamburg setzt Schafe als "Rasenmäher" ein auf airliners.de
cite-note-88. â Anneke Struck: Im Kampf gegen giftigen Riesenbärenklau: diese Tiere schaffen Abhilfe. Stark giftiger Riesen-Bärenklau sorgt immer wieder fĂźr Verbrennung bei Rind, Pferde und auch Landwirt selbst. Wie Schafe und Ziegen die invasive, wuchernde Pflanze eindämmen, lesen Sie hier. Agrarheute, 5. Juli 2023, abgerufen am 17. Juli 2023.
cite-note-99. â Coin Archives: Brakteat, 14. Jahrhundert, Schaffhausen. Aus einem Turm springender Widder.
cite-note-1010. â Da Costa APC, Leigh AE, Man M-S, Kendrick KM: Face pictures reduce behavioural, autonomic, endocrine and neural indices of stress and fear in sheep. In: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. 271, 2004, S. 2077â2084. Volltext (PDF).
cite-note-111. Zitiert nach Frankfurter Rundschau vom 26. April 2006
cite-note-1212. â Crafty sheep conquer cattle grids. 30. Juli 2004 (bbc.co.uk [abgerufen am 9. Januar 2020]).
cite-note-books-zjtz9sjbiqic-544-1313. â Andreas Hummel: Arzneimittellehre. Vincentz Network GmbH & Co. KG, 2004, ISBN 978-3-87870-482-9, S. 544 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-142. Kate Plush, Forbes D. Brien et al.: Thermogenesis and physiological maturity in neonatal lambs: a unifying concept in perinatal lamb survival. In: Animal Production Science, 18. Februar 2015
cite-note-1515. â Lämmer fĂźr die Reeperbahn â Wettin und seine Schäferschule, MDR, Erstsendung am 4. August 2020.
cite-note-1616. â Antje Hamann-ThĂślken: Entwurmen, aber richtig! Abgerufen am 8. November 2019.
cite-note-1717. â Nicolas Schoof, Rainer Luick: Antiparasitika in der Weidetierhaltung â ein unterschätzter Faktor des Insektensterbens? Band 51, Nr. 10. Naturschutz und Landschaftsplanung, 2019, S. 486â492 (researchgate.net).
cite-note-1818. â Lea Hensen: Warum man Schafe manchmal schubsen muss. In: Rheinische Post. 15. April 2019, abgerufen am 15. Juli 2023.
cite-note-1919. â E. HumannâZiehank, M. Coenen, M. Ganter, K. Bickhardt: LongâTerm Observation of Subclinical Chronic Copper Poisoning in Two Sheep Breeds. In: Journal of Veterinary Medicine Series A. Band 48, Nr. 7, 16. September 2001, ISSN 0931-184X, S. 429â439, doi:10.1046/j.1439-0442.2001.00376.x (wiley.com [abgerufen am 5. Dezember 2023]).
cite-note-2020. â LKV Sachsen: Kupferintoxikation beim Schaf. Abgerufen am 5. Dezember 2023.
cite-note-2121. â âSchafâ, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches WĂśrterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer Ăźberarbeitete Version im Digitalen WĂśrterbuch der deutschen Sprache, dwds.de, abgerufen am 17. Mai 2020.
cite-note-2222. â âschabenâ, in: Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches WĂśrterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer Ăźberarbeitete Version im Digitalen WĂśrterbuch der deutschen Sprache, dwds.de, abgerufen am 17. Mai 2020.
cite-note-2323. â Friedrich Kluge, Alfred GĂśtze: Etymologisches WĂśrterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck (â21. unveränderte Auflageâ) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 631.
cite-note-2424. â Helmut Carl: Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen: Deutung und sprachliche Ordnung. Heidelberg 1957; Neudruck Heidelberg/Wiesbaden 1995, S. 202.
cite-note-2626. â Schaf Chris notgeschoren : âSo etwas habe ich noch nie gesehenâ, orf.at, 3. September 2015, abgerufen am 3. September 2015. â Weiterlesen > Detailseite.
cite-note-2727. â Veraltet, Ăźblich im 19. Jahrhundert.
cite-note-2828. â Rekordpreis fĂźr einen Widder: âDas beste Texelschaf, das ich je gesehen habeâ. In: Der Spiegel. Abgerufen am 28. August 2020.